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Seit 90 Jahren halten sie das Brauchtum hoch

„Waldlerbuam“ feiern stilvolles Jubiläum– Besondere Überraschung für Sieglinde Lang – Spende an Tafel statt Geschenke


Freuen sich über das gelungene Fest, von links: Max Fuchs (2. Vorstand d’Ilztaler Witzmannsberg), Marco Maier (1. Vorstand Waldlerbuam), Georg Maier (2. Vorstand Wolfstoana Buam), Fahnenmutter Bärbel Liebl (Wolfstoana Buam), Alois Haydn (2. Vorstand Dreiflüsse-Trachtengau Passau), Helga Huml (Fahnenmutter Waldlerbuam), Max Käser (Volkstrachtenverein Jacking), Sieglinde Lang (2. Vorstand Waldlerbuam), Stadtpfarrer Bruno Pöppel, Bürgermeister Heinz Pollak, Franz Kindermann (Ehrenvorstand Waldlerbuam), Walter Söldner (1. Vorstand Dreiflüsse-Trachtengau Passau), Renate Cerny (stv. Landrätin).

Waldkirchen/Erlauzwiesel. Wir schreiben das Jahr 1925. Paul von Hindenburg löst Friedrich Ebert als Reichspräsident ab. In der Berliner Illustrierten erscheint das erste deutsche Kreuzworträtsel. Geboren werden Hans Rosenthal, Robert Kennedy, Hildegard Knef – und der Trachtenverein „Waldlerbuam“ Waldkirchen. Das stolze Alter von 90 Jahren feierte der Verein nun mit einem zünftigen Fest auf der Seebühne in Erlauzwiesel. Ein langer Festzugmit Trachtlern und örtlichen Vereinen formierte sich in der Dorfmitte und zog mit wehenden Fahnen, musikalisch angeführt von der Trachtenkapelle „D’Freudenseer“, an den See. Die drohenden Regenwolken hatten sich rechtzeitig über den Dreisesselberg verzogen und die Sonne strahlte baldmit den Festgästen um die Wette. Begonnen hat die Feierstunde mit einem festlichen Gottesdienst, zelebriert vom Waldkirchner Stadtpfarrer Bruno Pöppel, und von D‘Freudenseer wieder mit Musik begleitet. Hackbrett, Gitarre und Zither von der Stubnmusi „Hie und da vielsaitig“ des Jubelvereins untermalten stimmungsvoll die Fürbitten mit dem Ruf „Hör an unser Flehn‘, hör an unser Bitt‘“. Die Gruppe bereicherte auch mit dem Kyrie und dem Andachtsjodler die Eucharistiefeier.


Der stattliche Festzug auf dem Weg zur Seebühne Erlauzwiesel.


Sieglinde Lang wird das Gauehrenzeichen verliehen.


Stadtpfarrer Bruno Pöppel zelebriert den Festgottesdienst.

„Tradition hat Zukunft“
Pfarrer Pöppel stellte seine Predigt unter das Motto „Tradition hat Zukunft“. Dazu brachte er Gedanken zu drei Symbolen alten Brauchtums zu Gehör. Der Herrgottswinkel: Früher kostbar und würdevoll geschmückt, sollte zeigen – Gott hat einen festen Platz in unserem Leben. Heute steht an der Stelle des Herrgottswinkels oftmals ein großer Fernseher, einer der ärgsten Gesellschaftskiller. "Saß man früher in geselliger Runde am Tisch und unterhielt sich, spielt man heute mit dem Handy und schweigt sich an. Nehmt euch doch wieder Zeit für einander und betet miteinander“, resümierte Pöppel. Dann die religiöse Kunst: Hierzu gab der Prediger zu bedenken, was der Mensch sieht, prägt seine Gefühle, sein Denken, seine Worte und seine Taten. „Wenn ihr nur noch Alltägliches und nichts Heiliges mehr anschaut, dann wundert euch nicht, dass euch nur noch Banales interessiert und der Glaube in euch stirbt.“ Ein weiteres Sinnbild des Brauchtums ist der Weihwasserkessel: Das Weihwasser soll an die Taufe erinnern. „Was spricht dagegen, manchen guten Brauch wieder zu verlebendigen? Tradition heißt, das Feuer von damals weitergeben, das Leben besser bewältigen. Im diesem Sinne verstanden, hat Tradition Zukunft.“ Zum runden Geburtstag hieß Vereinsvorsitzender Marco Maier schließlich die Gäste herzlich willkommen. Namentlich be begrüßte er die Fahnenmütter Helga Huml von den Waldlerbuam und Bärbel Liebl vom Freyunger Patenverein, 1. Bürgermeister Heinz Pollak und seinen Stellvertreter Max Ertl sowie stellvertretende Landrätin Renate Cerny. Vom Dreiflüsse-Trachtengau den 1.Gauvorstand Walter Söldner mit seinen Stellvertretern Alois Haydn und Andreas Ginglseder, den Bezirksvorstand Bruno Schurm, Ehrenvorstand Franz Kindermann und die Patenvereine „d’Ilztaler“ aus Witzmannsberg, „Wolfstoana Buam“ aus Freyung und den Volkstrachtenverein Jacking. Bei Stadtpfarrer Bruno Pöppel bedankte sich Maier für den würdevollen Gottesdienst. Stellvertretend für die vielen übrigen Gäste nannte er die „Holzhackerbuam“ aus Erlauzwiesel und die „Grenzlerbuam“ aus Ratzing. Die Feuerwehren aus dem Stadtgebiet Waldkirchen und der Soldaten- und Kriegerverein Waldkirchen waren ebenfalls mit Abordnungen vertreten. In einem kurzen Rückblick wurde der stetige Aufschwung des Trachtenvereins beleuchtet. Begann man 1925 mit 23 Mitgliedern, so ist der Verein heute auf stattliche 182 angewachsen. Mit dem Wahlspruch „Getreu dem guten alten Brauch“ nimmt sich der Verein nicht nur der Pflege der Trachten und Tänze an, sondern setzt sich auch für den Erhalt und die Instandsetzung von Kreuzen, Marterln und Kirchenkunst ein. Mit Stolz sprach er die Jugend an, die voll hinter dem Trachtenverein steht. Auf Ehrungen hatte der Festausschuss bewusst verzichtet, jedoch sollte „Trachtlerurgestein“ und 2. Vorsitzende Sieglinde Lang für 50 Jahre Vereinszugehörigkeit besonders hervorgehoben und ausgezeichnet werden. Zudem hielt auch Gauvorstand Walter Söldner eine besondere Überraschung für die Trachtlerin bereit. Für ihren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz um Heimat- und Brauchtumspflege wurde ihr das seltene Ehrenzeichen des Trachtengaus verliehen. Bescheiden und sichtlich gerührt nahm Lang die Ehrungen entgegen. Die Vorstandschaft hatte vereinbart, anstelle von Erinnerungsgeschenken den Geldwert der Waldkirchner Tafel zu spenden, was mit viel Applaus gelobt wurde. Die drei Patenvereine aus Witzmannsberg, Freyung und Jacking hatten Geburtstagsgeschenke dabei. Für die originellen Einfälle bedankte sich Vorstand Maier, ebenso für die zahlreiche Teilnahme an der Jubiläumsfeier. Nach dem offiziellen Teil spielte die Freyunger Tanzlmusi zu einem offenen Volkstanz auf, bei dem sich jeder gern beteiligen konnte. Immer wieder hörte man aus dem Kreis der Gäste: „Bleibt so wie ihr seid! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen zum 100-Jährigen in zehn Jahren.“

Fotos: Josef Schinagl

2017  Trachtenverein Waldlerbuam Waldkirchen